Die Schülerzeitung des Valentin-Heider-Gymnasiums

Was bedeutet das für junge Menschen im Vereinigten Königreich?

5 Jahr Brexit

Februar 2020: das Vereinigte Königreich verlässt die EU als erster Mitgliedsstaat jemals. 5 Jahre sind seitdem vergangen und die Konsequenzen sind spürbar: für uns in Deutschland bedeutet der Brexit zum Beispiel, seit April diesen Jahres nur noch mit einer ETA (Abkürzung für: elektronische Reisegenehmigung) neben dem Reisepass nach Großbritannien und Nordirland einreisen zu dürfen.

Doch wie nehmen junge Menschen im Vereinigten Königreich den Brexit wahr? Um diese Frage zu beantworten, habe ich die internationalen Kontakte unserer Schule genutzt und Leah ein paar Fragen gestellt. Sie ist 18 Jahre alt, lebt in der kleinen Britischen Stadt Horley (ca. eine Autostunde von London entfernt) und geht auf das nahe gelegene Richard Collyer’s College in Horsham, mit welchem das VHG seinen England-Austausch organisiert. In diesem Rahmen war sie letztes Schuljahr auch bei uns in Lindau zu Besuch.

Leah gehört zur Generation welche 2016 noch zu jung war um am Referendum über den Brexit teilzunehmen. 75% dieser 18 bis 24 Jährigen nimmt laut einer YouGov-Umfrage diesen Jahres den Brexit als eine falsche Entscheidung war. Auch 2016 waren die meisten Brit:innen ihrer Generation schon dagegen, die EU zu verlassen, erklärt Leah. Sie würden die EU-Vorteile wie die Freizügigkeit oder die Reisemöglichkeiten wertschätzen, würden sich selbst als europäische Bürger betrachten und seien mit der EU als wichtigem Bestandteil des politischen und wirtschaftlichen Lebens aufgewachsen. Die EU repräsentiere für Leah und andere junge Brit:innen Offenheit, gemeinsame Möglichkeiten und geteilte Werte. Es gebe aber auch junge Menschen die damals wie heute nicht interessiert an Politik seien und zur Zeit des Brexits ihre Wahlchance nicht nutzten, obwohl sie schon alt genug waren.

Leah beschreibt diese Tatsache als enttäuschend. Obwohl sie sich selbst nicht als sehr politisch einschätzen würde, betont sie die Wichtigkeit das eigene Wahlrecht zu nutzen – besonders aus einer weiblichen Perspektive. Noch vor 100 Jahren wäre es als Frau nicht möglich gewesen, wählen zu gehen.

Sie erzählt mir außerdem über das britische Schulsystem, in dem es keinen spezifischen Politikunterricht gibt. Die politische Bildung sei hauptsächlich Sache der Eltern, ergänzt durch die Medienwelt. Das erkläre, warum junge Menschen im Vereinigten Königreich zum Teil sehr wenig Ahnung von Politik oder sogar keine politische Meinung haben.

Und trotzdem betrifft der Brexit natürlich auch die junge Generation: für Leah persönlich bedeutet er z.B. dass sich ihr Vater, der als einziger in der Familie nur den britischen und nicht zunsätzlich noch den niederländischen Pass hat, nur eine begrenzte Zeit im Jahr innerhalb der EU aufhalten darf. Leah persönlich plant dank ihres niederländischen Passes weiterhin die Vorteile der EU zu nutzen – sie möchte gerne später einmal visafrei in der EU leben und arbeiten. Diese Perspektive bleibt vielen Brit:innen ihrer Generation allerdings verschlossen.

Für die Zukunft des Vereinigten Königreiches erwartet sie nicht, dass ihr Land bald erneut in die EU eintreten wird – „for at least a decade“. Trotzdem hofft sie auf eine enge Beziehung zwischen Großbritannien und der EU. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Beziehung der EU zu Vereinigten Königreich entwickeln wird. Ideen, wie die des sogenannten „Youth Mobility Scheme“, einem speziellen Visa-Modell für junge Menschen aus EU bzw. UK, zeigen aber Möglichkeiten für einen fortbestehenden Austausch zwischen jungen Menschen aus dem Vereinigten Königreich und der EU.


Susanne Heller | VHG News, 04.12.2025